Rezension: Warum Stillen politisch ist

Das Buch „Warum Stillen politisch ist“ von Gabrielle Palmer hat mich öfter mal sprach- und fassungslos gemacht. Während man häufig von der „Stillmafia“ hört – ein grauenvoller Begriff – zeigt dieses Buch die in der Tat mafiösen Machenschaften auf Seiten der Ersatznahrungsproduzenten und wie das Stillen in der Vergangenheit auf verschiedenste Weise zur Unterdrückung von Frauen genutzt wurde auf. Gleichzeitig liefert es Erkenntnisse darüber, welche verheerenden (und manche würden dazu noch sagen, welch überheblichen) Fehleinschätzungen zum Rückgang des Stillens und zu so manchem Glaubenssatz geführt haben, die einfach keiner Untersuchung Stand halten.

Die Autorin Gabrielle Palmer ist Ernährungswissenschaftlerin und WHO/UNICEF Mitarbeiterin. Sie hat einen großen Teil Ihres Lebens damit verbracht, die Ernährung von Säuglingen in verschiedenen Ländern zu studieren und einen noch größeren Teil als Stillberaterin und Verfechterin für das Stillen. In diesem Buch teilt Sie auf sehr eindrucksvolle und weitestgehend sachliche Weise ihr Wissen. Und dabei – so ist zumindest mein Eindruck – wird hier weder missioniert, noch das Problem auf Einzelpersonen (so oft sind ja vermeintlich die Stillenden selbst das Problem) geschoben, sondern strukturelle Probleme aufgezeigt.

Und genau hier kommen wir zum Thema Politik. Stillen hat – im Gegensatz zu Säuglingsersatznahrung – keine finanzstarke Lobby. Und dass das in vielerlei Hinsicht ein Problem ist, sehen wir an den ausgenutzten Schlupflöchern, der oft fehlenden oder zu laschen Kontrolle bezüglich der Einhaltung des Kodexes und der fehlenden Konzepte der Stillförderung. In welch drastischer Form das teilweise zum Tragen kommt, erläutert Gabrielle Palmer an eindrücklichen Beispielen.

Ich stand dem Buch anfangs sehr kritisch gegenüber. Auch wenn ich selbst Stillberaterin bin, ist es mir immer wichtig zu betonen, dass nicht ich die Entscheidung treffe, ob jemand stillt oder nicht. Sondern lediglich bei der Entscheidungsfindung helfe und auf dem Weg unterstütze. Niemand muss stillen, aber eine Entscheidung sollte immer wohlinformiert stattfinden. Während ich vorher dachte, dass das Buch eben dem Tenor „alle müssen Stillen“ folgen würde, muss ich jetzt eingestehen, dass ich voreingenommen war. Und dieses Buch gerne weiterempfehle.


Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen, für die Rezension selbst gab es aber keine Gegenleistung. Die Rezension stellt meine eigene Meinung dar.

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