Fasching – Fastnacht – Fastenzeit

Jetzt steht er kurz vor der Tür: der Höhepunkt der fünften Jahreszeit und die darauffolgende Fastenzeit. Der Ursprung des närrischen Festes liegt in vor-christlichen Zeiten (wie bei so vielen christlichen Festen…), als noch die Wintergeister vertrieben und Frühling und Fruchtbarkeit gefeiert wurden. Im dreizehnten Jahrhundert entwickelte sich das Fest langsam zu dem, was wir heute noch kennen: einem Gelage vor der Fastenzeit.

Name, Geschichte und Termin

Das spiegelt sich auch in den Namen des Festes wieder: Fastnacht, Fasenacht und Fastelovend beziehen sich auf den Abend vor dem Fastenbeginn, Mardi Gras (frz.: fetter Dienstag), wie es in New Orleans noch genannt wird lehnt sich auch daran an, der Fasching kommt vom „Fastenschank“ und auch beim Karneval heißt es Lebewohl zum Fleisch zu sagen (scherzhaft: Carne vale oder auch mittellateinisch: carne levare).

Während der Reformation wurde die Fastenzeit in Frage gestellt und so verlor auch das Fest davor seine Bedeutung. Ein Grund, warum sich der Brauch in „ur-protestantischen“ Gebieten kaum findet. In den 90ern wurde der Karnevalsbrauch zumindest in Europa auch in protestantischen Regionen wieder beliebter – die Fastenzeit danach wurde aber nicht (oder stark abgewandelt) wieder beliebt. Auch die Kirche hält nur an Aschermittwoch und Karfreitag als Fasttage fest und sieht die Zeit dazwischen als Zeit der Achtsamkeit und der Überlegung, woran man im eigenen Alltag festhalten will und welche Dinge und Gewohnheiten man aufgeben will [1].

Da der Termin vom Karneval direkt von Ostern abhängt (nicht andersherum), gibt es ein gewisses Zeitfenster, in dem er stattfindet. Ostern findet am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt und dieser kann frühestens am 21. März sein. 46 Tage davor ist Aschermittwoch. Warum 46 Tage, wenn die Fastenzeit doch nur 40 Tage hat? Weil die sechs Sonntage vor Ostern von der Fastenzeit ausgenommen wurden. Wäre ja auch ein bisschen zu viel verlangt, vierzig Tage am Stück zu fasten 😉

Essen und Trinken an Karneval

Weiter oben nannte ich das Karnevalswochenende schon mal Gelage, und im Grunde genommen ist es das bis heute noch. Es wird gegessen und getrunken, was in der Fastenzeit verboten ist: dazu gehör(t)en Fett, Fleisch, Eier, Milchprodukte, Zucker und Alkohol. Vom Alkohol brauchen wir an dieser Stelle vielleicht nicht unbedingt sprechen, aber vom Essen schon. Die vermutlich bekanntesten Begleiter an Karneval sind wahrscheinlich der Berliner (bitte an dieser Stelle keine Diskussion darüber ;-)) und seine Verwandten, die in reichlich Fett ausgebacken und zuckersüß sind.

Berliner, Krapfen oder Pfannkuchen: süßes Fettgebäck ist vom Karneval nicht wegzudenken.

Es haben sich aber auch kulinarische Bräuche erhalten, in denen Hülsenfrüchte als Zeichen der Fruchtbarkeit verarbeitet wurden.

Und gerade, wer in und um Karnevalshochburgen wohnt, kennt wohl die Umzüge mit reichlich Kamelle für die Zuschauenden. Das Wort Kamelle kommt aus dem rheinischen und bedeutet so viel wie Süßigkeiten. Inzwischen werden aber nicht mehr nur Bonbons und andere Süßigkeiten von den Wägen geworfen, sondern auch andere (heißbegehrte) Werbeartikel.

Essen und Trinken in der Fastenzeit vor Ostern

Während ursprünglich noch auf Zucker und jegliche tierische Lebensmittel verzichtet wurde, hat Paul VI 1966 im Paenitemini diese strenge Form des Verzichts auch schriftlich gelockert:

III. 
§ 1. Das Abstinenzgebot verbietet den Genuss von Fleisch, nicht aber von Eiern, Laktizinien und Speisewürzen, und zwar auch dann nicht, wenn sie aus Tierfett bereitet werden.
§ 2. Das Fastengebot schreibt vor, dass nur eine volle Mahlzeit am Tage eingenommen wird; es verbietet jedoch nicht, etwas Speise am Morgen und Abend zu nehmen, wobei allerdings bezüglich Art und Menge der Speisen die bewährten örtlichen Gewohnheiten zu beachten sind.

aus [4]

Es finden sich aber auch Nachweise aus kirchlichen Kreisen dafür, dass die Fastenzeit eben nicht unbedingt etwas mit Verzicht, sondern durchaus auch etwas mit einer Neuausrichtung zu tun hat, die auch ohne Verzicht auskommt. Laut einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung durch Forsa im Auftrag der DAK-Gesundheit (24. bis 28. Januar 2022, 1.011 Befragte), verzichten aber doch ca. zwei Drittel der Deutschen für einen begrenzten Zeitraum im Jahr auf verschiedene Dinge [6]:

  • Platz 1: Alkohol (73 Prozent)
  • Platz 2: Süßigkeiten (68 Prozent)
  • Platz 3: Fleisch (56 Prozent)
  • Platz 4: Rauchen (43 Prozent)
  • Platz 5: Fernsehen (39 Prozent)
  • Platz 6: Handy, Computer (27 Prozent)
  • Platz 7: Auto (24 Prozent)

Wann dieser Fastenzeitraum ist, stand leider nicht dabei. Aber ich (ganz persönlich) vermute, dass da doch einige in der Fastenzeit vor Osterzeit verzichten.

Was hat das jetzt mit mir zu tun?

Ihr seid hier auf dem Blog einer Ernährungsberaterin – warum schreibt sie jetzt was von Kirchenfesten? Die meisten Feste sind in irgendeiner Art mit Süßigkeiten, viel Essen, keinem Essen (Fasten) oder auch bestimmten kulinarischen Besonderheiten verbunden. Ich persönlich mag es, da ein bisschen über den Tellerrand zu schauen und das auch mit euch zu teilen.

Aber oftmals ist gerade in Familien mit kleinen Kindern die Frage nach dem richtigen Umgang mit dem Zuckerkonsum in diesen Zeiten quasi omnipräsent. Und Menschen, die zum ersten Mal Fasten, haben zum Teil den Bedarf nach Begleitung oder viele offene Fragen. Da hilft es mir auch beruflich, die Hintergründe genauer zu kennen. Und wenn eines davon auf euch zutrifft, oder ihr irgendwelche anderen Fragen habt: ich bin für euch da 😉

Quellen

[1] https://www.borromaeusverein.de/auslese/1/kirchenjahr-karneval-ein-fest-der-religion
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Karneval,_Fastnacht_und_Fasching
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Fastenzeit
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Paenitemini
[5] https://www.erzbistum-koeln.de/presse_und_medien/magazin/Fastenzeit-Eine-Zeit-des-Verzichts-von-Aschermittwoch-bis-Ostersonntag/
[6] https://www.dak.de/dak/bundesthemen/fasten-bleibt-2022-trotz-pandemie-weiter-im-trend-2533580.html#/


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